Schlussbemerkung
E-Card-Strategie
Die Bundesregierung hat am 9. März 2005 die E-Card-Strategie
beschlossen1). Das Ziel ist die flächendeckende
Einführung elektronischer Karten und Verfahren um im Rahmen des E-Governments
vermehrt sichere elektronische Dienstleistungen zur Verfügung
stellen zu können.
Zentrale Bestandteile sind die elektronische Authentifizierung zur
Identifizierung von Personen und die qualifizierte elektronische
Signatur als Ersatz der persönlichen Unterschrift, die
internationalen Standards entsprechen sollen. Diese Funktionen
sollen mit Hilfe von Chipkarten implementiert werden und neben
erhöhter Sicherheit und Datenschutz vor allem rechtsverbindliche
Transaktionen im Internet ermöglichen. Die von der Bundesregierung
anvisierten Kosteneinsparungen und Effizienzgewinne werden nicht
alleine durch den Einsatz dieser neuer Technologien eintreten.
Hierzu muss aber die Einführung der E-Government-Technologien als
Ergänzung zu einer umfassenden Reform der Verwaltungsabläufe
betrachtet werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Projekte
im Rahmen der E-Card-Strategie höhere Kosten verursachen als
einsparen.
Die Einführung der Chipkarten soll im Wesentlichen die Entwicklung
des elektronischen Geschäftsverkehr fördern, um die
Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Modernisierung der
öffentliche Verwaltungen voran zu treiben.
Im Folgenden werden einige Projekte die von verschiedenen
Bundesministerien im Rahmen der E-Card-Strategie erarbeitet wurden
kurz vorgestellt.
Elektronische Gesundheitskarte
Die in diesem Dokument detailliert betrachtete elektronische
Gesundheitskarte soll ab Anfang 2006 die Krankenversichertenkarte
bei den in der gesetzlichen Krankenversicherung Versicherten
ablösen. Zusätzlich werden 300.000 elektronische
Heilberufsausweise eingeführt mit denen sich zum Beispiel Ärzte
und Apotheker authentifizieren können.
Digitaler Personalausweis
Der digitale Personalausweis wird die üblichen Funktionen eines
Personalausweises umfassen. Zusätzlich beinhaltet er eine auf
einem Chip gespeicherte Authentifizierungsfunktion. Wie bei der
elektronischen Gesundheitskarte, soll die Karte so gestaltet
werden, dass es dem Benutzer ermöglicht wird eine qualifizierte
elektronische Signatur zu nutzen. Es ist noch nicht geklärt, ob
der Personalausweis, ähnlich wie bei den neuen Reisepässen, auch
biometrische Daten enthalten soll.2)
JobCard
Ziel des vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten JobCard-
Verfahrens ist es die Arbeitgeber zu entlasten und die
Modernisierung der Verwaltungsabläufe voran zu treiben.
Desweiteren werden für Sozialleistungen notwendige Daten der
Arbeitnehmer zentral gespeichert. Mit der JobCard sollen auch noch
weitere Entgeldbescheinigungen, zum Beispiel für die Beantragung
von Mutterschaftsgeld oder Krankengeld, in der Datenstelle
abgelegt werden.3)
Elektronische Steuererklärung, ELSTER
Das ELSTER-Projekt der deutschen Steuerverwaltung soll es
ermöglichen Steuerverfahren sicher auf elektronischem Weg
abzuwickeln. Ab 2006 soll es möglich sein anstelle der
herkömmlichen papiergebundenen Steuererklärung eine elektronisch
authentifizierte bzw. qualifiziert signierte elektronische
Steuererklärung abzugeben.
Schon Seit dem Jahr 2005 sind aber nahezu alle in Deutschland
steuerpflichtigen Arbeitgeber und Unternehmer verpflichtet die
Lohnsteueranmeldungen und Umsatzsteuer-Voranmeldungen sowie die
Lohnbescheinigungen ihrer Arbeitnehmer elektronisch über das
ELSTER-System an die Finanzämter zu übermitteln.
Universal-ID
Ein langfristiges Ziel dieser Initiative ist die Einführung einer
Universal-ID. Dabei sollen alle Funktionen in einer Karte vereint
werden. Desweiteren werden die Daten über Sozialleistungen zentral
gespeichert. Die Karte soll qualifizierte elektronische Signaturen
unterstützen.4)
Eine alternative Lösungsmöglichkeit
Als ein alternatives Lösungsmodell zu der in Deutschland in der
Einführung begriffenen elektronischen Gesundheitskarte auf Basis
einer Chipkarte, wird in den Niederlanden von Vodafone eine Lösung
auf Basis der im Handy vorhandenen SIM-Karte erprobt.5)
Die medizinischen Daten werden dabei verschlüsselt auf der SIM-Karte
gespeichert. Der Datenaustausch mit dem PC das Arztes erfolgt
drahtlos über eine mit VPN6)
gesicherte Verbindung über Bluetooth oder RFID7).
Die PIN-Eingabe erfolgt durch den
Patienten über die Tastatur seines Mobiltelefons. Auch nach
Zerstörung des Telefons können die Notfalldaten per RFID vom Notarzt
ausgelesen werden. Desweiteren soll die Möglichkeit bestehen mit
diesem System zu Zahlungen, zum Beispiel die Arztgebühren oder in
der Cafeteria, vorzunehmen. Die Abrechnung erfolgt dann über die
Telefonrechnung.
Letztendlich ist die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte
zu begrüßen. Eine Gefahr besteht jedoch in der Einführung einer
Gesundheitskarte Light. Viele Funktionen werden erst
verzögert eingeführt. Sobald jedoch die abgespeckte Version
verfügbar ist, besteht die Gefahr einer extremen Verzögerung der
Implementierung der weiteren Funktionen. Da gerade viele der später
einzuführenden Anwendungen besonders attraktiv für die Nutzer sind,
kann der vollständige Mehrwert für den Bürger noch nicht erfasst
werden. Außerdem können viele versprochene Einsparungen noch nicht
mit der abgespeckten Version erreicht werden. Da die Karte,
besonders durch die Bereitstellung der Notfalldaten dem Bürger
direkt dient, kann von einer vergleichsweise hohen Anfangsakzeptanz
ausgegangen werden. Der Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz sollten
durch eine adäquate Öffentlichkeitsarbeit erhöht werden.
1) Vgl. zu folgenden Ausführungen http://www.bundesregierung.de/-,413.799497/artikel/eCard-Strategie-der-Bundesregi.htm.
2) Vgl. dazu http://germany.indymedia.org/2005/03/108906.shtml.
3) Vgl. dazu http://www.itsg.de/download/BroschuereJobcard.pdf.
4) Vgl. zu folgenden Ausführungen http://www.heise.de/newsticker/meldung/57276.
5) Vgl. zu folgenden Ausführungen http://www.heise.de/newsticker/meldung/57529.
6) Virtual Private Network, stellt einer verschlüsselte Verbindung über ein unsicheres Netzwerk her.
7) Radio Frequency Identification.
M. Stein, Ronald Nitschke, Alexander Heine, 2005
Universität Potsdam, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und E-Government.
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